Heimat neu entdecken

Juden in Ebersheim und Reichspogromnacht

 

Fotoausstellung

Ebersheim damals und heute

8. bis 11. Juli 2016

2000 Jahre RheinhessenIm Rahmen des rheinhessischen Jubiläumsjahres findet vom 8. bis 11. Juli 2016 im Historischen Saal des Weingutes Becker die Ausstellung "Ebersheim - Damals und heute" statt. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung Ebersheims zum größten weinbautreibenden Vorort der Landeshauptstadt Mainz mit Bildern und Dokumenten, zusammegestellt und präsentiert von Dr. Rudolf Büllesbach und Georg Bertz auf 100 qm im historischen Saal des Weingutes Beckers. Die Ausstellung ist eingebunden in das Weinfest im Dorf. Mehr Infos hier

Bücher zur Heimatgeschiche

Geschichte zum Nachlesen

 

demo Zwischen 1987 und 1992 hat der Ebersheimer Friedrich Eckert insgesamt fünf Bücher über Ebersheim herausgegeben. In den vergangenen Jahren sind mit Büchern zur Ebersheimer Feuerwehr, zur Geschichte des Ortes im Ersten Weltkrieg und zur israelitischen Gemeinde weitere Bücher zur Ortsgeschichte hinzugekommen. Alle Bücher zur Ebersheimer Heimatgeschichte

Ebersheimer Kalender

Bilder von damals und heute

Ebersheimer Kalender zur HeimatgeschichteEbersheimer Kalender stellen die Geschichte des südlichsten Vorortes der Stadt Mainz in den Mittelpunkt. In ihnen finden sich teilweise bisher unbekannte Postkarten und Fotos aus den vergangenen einhundert Jahren. Diesen Bildern werden Fotografien von heute gegenübergestellt. Mit den Zeitdokumenten von „damals und heute“ gelingt oftmals ein überraschender Blick, wie sich Mainz-Ebersheim und das Leben seiner Bewohner im Laufe der Zeit verändert hat. Neben den Bildern gibt es ausführliche Beschreibungen zu den Fotos. Der Kalender ist damit auch eine inhaltlich spannende Publikation zur Heimatgeschichte. Mehr Informationen zu den Kalendern zur Heimatgeschichte gibt es hier.

 

 
 
  
 
 

 

Juden in Ebersheim

 




Bild 1934: Bar-Mizma von Fritz Goldschmitt (Mitte) in Ebersheim im Kreise der gesamten Familie (Bedeutung des Festes: Ein Junge wird mit 13 Jahren Bar Mizwa. Das bedeutet: Sohn der Pflicht. Das feiert man mit einem Fest, ähnlich wie bei uns die Konfirmation. An diesem Tag legt der Junge erstmals den Gebetsriemen an. Vor diesem Fest haben die Jungen Thoraunterricht und müssen lernen, hebräische Texte zu lesen. Während der Feier lesen die Kinder aus der Thorarolle vor. Danach wird das Kind als ein Erwachsener angesehen und darf an den Gottesdiensten teilnehmen. Es darf dann die Kleider des Judentums tragen)



Juden in Mainz

Wenn von bemerkenswerten Judengemeinden in alten deutschen Städten gesprochen wird, kommt üblicherweise die Rede auf Frankfurt am Main, auf Köln, vielleicht auf Berlin oder auf Wien oder Prag. Selten fällt in diesem Zusammenhang auch der Name der Stadt Mainz. Zu Unrecht: Im Jahre 1432 legte der Rat der Stadt Mainz in einem Gerichtsverfahren eine Urkunde vor, aus der hervorging, dass "die Juden zu Mentz gewesen sind, nämlich 500 Jahre und länger, bevor das Stift zu Mentz gebaut worden sei." Wenn der Inhalt dieser Urkunde stimmt, dann hätte die jüdische Geschichte in Mainz bereits im ersten vorchristlichen Jahrhundert begonnen. Ohne Zweifel wären die Mainzer Juden damit die am längsten bezeugten Juden auf deutschem Gebiet.



Juden in Ebersheim

Juden in Ebersheim sind seit Mitte des 18. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. Es waren die Familien Berney, Goldschmitt und Simon. Später kamen noch die Familien Mayer, Kahn, Nathan und andere dazu. Diese Familien lebten in Ebersheim in einem stark katholischen Umfeld. Im Jahr 1833 konnte man in Ebersheim insgesamt 947 Einwohner zählen, davon 905 Katholiken, 1 evangelischer und 41 jüdische Mitbewohner. Bis zum Jahr 1861 stieg die Zahl der jüdischen Bewohner auf 58. Bereits im Jahr 1853 war eine Synagoge in der Mainzer Straße (heute: Konrad-Adenauer-Straße) gebaut worden. Der jüdische Friedhof in Ebersheim wurde ebenfalls vermutlich zu dieser Zeit angelegt. Der genaue Zeitpunkt lässt sich nicht bestimmen. Der älteste Grabstein datiert aus dem Jahr 1870. Auch bei den Straßennamen fand sich der jüdische Einfluss wieder: Der Teilabschnitt der Töngesstraße zwischen Neugasse und Römerstraße hatte im Sprachgebrauch den Namen "Judengasse". Wann dieser Name entstand, ist unbekannt.

Um das Jahr 1900 lebten in Ebersheim 52 jüdische Bewohner (Hechtsheim: 97, Harxheim: 22, Nieder-Olm: 19). In den kommenden Jahren verringerte sich die Zahl der jüdischen Bewohner stetig (1925: 25 Juden, 1932: 25, 1938: 13 Juden). Die letzte Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof fand im Jahr 1935 statt.

Verschiedene jüdische Familien aus Ebersheim wanderten ins Ausland aus. Eine der Gründe für die Auswanderungen findet sich darin, dass die Juden kein Ackerfeld besaßen und deshalb als Geschäftsleute nicht örtlich gebunden waren. Sie gingen dorthin, wo sie die besten Bedingungen finden konnten. Und das häufig mit Erfolg: Der Ebersheimer Arthur Simon wanderte beispielsweise 1903 in die USA aus und wurde dort ein erfolgreicher Geschäftsmann. Sein Sohn Herbert Simon wurde noch erfolgreicher: Der Sohn eines Ebersheimers erhielt 1978 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften und war viele Jahre Berater des amerikanischen Präsidenten.

Von solchen beruflichen Erfolgen waren die in Ebersheim lebenden Juden weit entfernt. Die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger verdienten ihren Lebensunterhalt in unterschiedlichen Berufen. Sie waren Metzgermeister (Nathan und David Goldschmitt, Markus und Siegfried Mayer), Viehhändler (Lazarus und Bernhard Goldschmitt, Leopold Simon), Weinkommissionär (Leopold Goldschmitt) oder Kaufleute (Ludwig Goldschmitt, Simon Nathan, Samuel Mayer). Fanny Nathan war Ellenwarenhändlerin, Rosalie Goldschmitt war als "Makler für landwirtschaftliche Produkte, Manufaktur" ins Gewerberegister eingetragen und Sophie Berney führte in der Römerstraße/Ecke Großgewann ein Geschäft für Kurzwaren und verkaufte Tabak und Zigaretten.

Genauso normal wie die Berufe war das Engagement im Ort. Die jüdischen Mitbürger engagierten sich in den Vereinen und gestalteten das Leben im Ort mit. Beim 50jährigen Jubiläum des Gesangvereins „Concordia“ im Jahre 1913 gehörten beispielsweise Simon und Leopold Goldschmitt dem Ehrenausschuss oder David Goldschmitt dem Musik- und Vergnügungsausschuss an.

Aber nicht nur bei den örtlichen Feiern waren jüdische Familien voll integriert. Als Soldaten kämpften junge Ebersheimer Juden im ersten Weltkrieg. Zwei Tafeln am Kriegerdenkmal erinnern noch an Berthold Kahn und Julius Goldschmitt, die beide im ersten Weltkrieg in Frankreich gefallen sind.



Verfolgung im Dritten Reich

Erniedrigung, Demütigung und Entrechtung der Juden standen ab 1933 im nationalsozialistischen Deutschland immer mehr auf der Tagesordnung. Auch an Ebersheim ging diese Entwicklung nicht vorbei und so wurden auch hier den jüdischen Bewohnern das Leben immer schwerer gemacht. Sie wurden aus Vereinen ausgeschlossen und verschiedentlich beschimpft. Manche versuchten zu verhindern, dass die Bevölkerung bei ihnen kaufte. Andere erlagen der Versuchung, jüdische Mitbürger aus anzuzeigen. So wurde nach beispielsweise "der früher der kommunistischen Partei angehörende" Kaufmann Otto Nathan im November 1933 für vier Wochen in das KZ Osthofen eingewiesen, weil er u.a. einem Ebersheimer Bürger gegenüber erklärt hatte, ""Du tust mir nichts und die ganze Blase nicht", womit er "offenbar die Ebersheimer SA-Leute meinte, die auf Weisung hin kontrolliert hatten, ob noch Parteigenossen in dem Kolonialwarengeschäft des Nathan kauften" (Dokument im Katalog zur Ausstellung des Stadtarchivs 2008).

Bild: Haus und Geschäftsraum von Sofie Berney an der Ecke Römerstraße/Zornheimer Straße/Großgewann (ganz links) Im Juni 1934 gerieten Nathan Goldschmitt und Sophie Berney in die Mühlen der Ämter. Beiden wurde vorgeworfen, sie hätten sich geäußert, ein Ebersheimer „habe sein Pferd von einem Juden gekauft“. Nathan Goldschmitt musste eine Buße von 40 Reichsmarkt bezahlen. Sophie Berney musste sich entschuldigte.

Diese Beispiele zeigen beispielhaft, wie der Druck auf die jüdischen Familien immer weiter erhöht wurde. Der Höhepunkt war schließlich die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, die auch in Ebersheim zu einem entscheidenden Einschnitt  wurde.

Viele Ebersheimer Zeitzeugen erinnern sich übereinstimmend, wie in der Nacht auf den 10. November SA-Leuten auf Lastwagen aus Richtung Zornheim und Nieder-Olm nach Ebersheim kamen und anschließend im Ort ihr Unwesen trieben.

Erinnerungstafel (heute entfernt) an die ehemalige SynagogeDie Synagoge wurde angezündet und brannte ab. Die SA drang in die Häuser von Bernhard Goldschmitt (auf dem Platz, wo heute der Weinbrunnen steht), Leopold und Nathan Goldschmitt (Konrad-Adenauer-Straße), Rosalie Goldschmitt (Neugasse) und Sophie Berney (Ecke Römerstraße/Großgewann) ein. Federbetten und kleinere Einrichtungsgegenstände wurden auf die Straße geworfen. Möbelstücke wurden zertrümmert und die Häuser geplündert. Manche waren - so Zeitzeugen - bemüht, der SA Einhalt zu gebieten. Dies auch, aber nicht immer aus Protest, sondern weil die Betreffenden vorher die Häuser von jüdischen Familien gekauft hatten und der Eigentumswechsel auf den SA-Listen noch nicht vermerkt war. Nach verschiedenen Erinnerungen blieben die meisten Ebersheimer Familien allerdings in ihren Häusern, teils aus Entsetzen und teils aus Angst vor möglichen Konsequenzen.

Für die jüdischen Familien in Ebersheim bedeutete die Reichspogromnacht der Abschied von der Hoffnung, dass alles vielleicht doch noch gut gehen könnte. Es war jetzt offensichtlich, dass es zukünftig kein gemeinsames Miteinander zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Familien mehr geben wird. Noch in der Nacht des 10. November 1938 verließen 11 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger ihren Heimatort und kehrten nie wieder zurück.



Schicksal der Ebersheimer Juden

Mit der öffentlichen Erniedrigung bei der Reichspogromnacht sollten die Juden in Deutschland zum Auswandern gebracht werden. Die physische Vernichtung stand im Jahr 1938 noch nicht auf dem Programm. So waren die in jenen Tagen verhafteten Juden vor allem wohlhabende, gut situierte Bürger. Sie und ihre Angehörigen sollten mit der Demütigung dazu gebracht werden, möglichst rasch das Land zu verlassen. Das Kalkül hatte Erfolg: In der Zeit nach den Pogromen emigrierten so viele Juden wie in all den Jahren seit 1933 nicht.

Diese für Deutschland geltende Entwicklung verlief für die Ebersheimer Juden genau umgekehrt. Die Auswanderungswelle war für diese im Jahr 1938 im Wesentlichen abgeschlossen. Aufgrund der besonderen politischen Rahmenbedingungen und den beginnenden Verfolgungen waren die Jungen aus Ebersheim und solche, die Geld hatten, bis 1938 nach Übersee ausgewandert. Hierzu zählten zum Beispiel die Familien Mayer und Nathan sowie die jungen Goldschmitts.

Fast alle Ebersheimer Juden, die bis zur Reichspogromnacht noch in Ebersheim oder auch in anderen Städten lebten, hatten keine Chance oder kein Geld mehr zur Auswanderung. Ihre Schicksale machen heute noch betroffen:

Bild 1924: Nathan und Mathilde  Goldschmitt mit Fritz und Lothar im Haus Töngesstraße (Judengass)/Ecke NeugasseNathan Goldschmitt (der "Natche") und sein Frau Mathilde (geb. Metzger) wohnten in Ebersheim lange Zeit in dem Eckhaus Töngesstraße/Neugasse. Sie zogen später um in die Konrad-Adenauer-Straße. Die Söhne Lothar und Fritz wanderten in die USA aus (und kamen mit den amerikanischen Truppen am 20. März 1945 nach Ebersheim zurück). Die Tochter Hildegard musste in Ebersheim bleiben, da sie für eine Auswanderung zu jung war. Nach der Reichspogromnacht wohnte die Familie in Weisenau in der Rheinstraße. Am 25. März 1942 wurden Nathan und Mathilde Goldschmitt gemeinsam mit ihrer Tochter und 500 Juden mit dem ersten großen Transport aus der Stadt Mainz von der Turnhalle der Feldbergschule über den Güterbahnhof an der Mombacher Straße in das Ghetto Piaski bei Lublin in Polen deportiert. Wenige Wochen später sie in ein Vernichtungslager, vermutlich Sobibór, gebracht. Die drei Ebersheimer wurden später für tot erklärt.


Bild: Lazarus Goldschmitt mit Familie vor ihrem Haus in der DalbergstraßeLazarus Goldschmitt (der "Lazer") aus der Dalbergstraße wohnte nach seiner Vertreibung bis zu seinem Tod im Jahr 1940 in der Seilerstraße in Mainz. Dort wurde ebenfalls Rosalie Goldschmitt (die "Rosel") einquartiert, die in der Neugasse gewohnt hatte. Rosalie Goldschmitt wurde am 25. März 1942 nach Piaski deportiert und später für tot erklärt.

 

 

 

 

Bernhard Goldschmitt (der "Schwarz Jud" wegen seiner dunkeln Hautfarbe) und seine Frau Sara lebten in der Schulstraße an der Ecke, an der heute der Weinbrunnen steht. Beide flohen in der Nacht zum 10. November 1938 in die Breidenbacherstraße nach Mainz. Begleitet wurde sie von Sophie Berney (die "Sofie"), die in der Römerstraße ein Geschäft geführt hatte und deren Haus am 9. November ebenfalls verwüstet wurde. Am 27. September 1942 wurden die Bewohner der Breidenbacherstraße mit dem zweiten großen Transport aus Mainz über Darmstadt abtransportiert. Das Ziel der insgesamt 453 Juden aus Mainz war Theresienstadt im "Protektorat Böhmen". Bernhard Goldschmitt starb dort am 25. Mai 1943, Sophie Berney am 30. Oktober 1942. Das Todesdatum von Sara Goldschmitt ist unbekannt.

Hedwig Jacobsohn war die Tochter von Bernhard Goldschmitt. Sie wurde 1942 deportiert. Der Deportationsort ist unbekannt. In einem Schreiben der Gestapo vom 10. März 1941, das die Ausbürgerung zum Gegenstand hatte, ist Ebersheim als letzter Wohnort von Hedwig Jakobsohn angegeben. Sie war aber wohl bereits im Jahr 1930 umgezogen.

Isaak, Leopold (der "Löbche") und Nelly Goldschmitt wohnten bis 1938 in der heutigen Konrad-Adenauer-Straße. Das Schicksal von Isaak Goldschmitt ist nicht bekannt, da er auf keiner Deportationsliste steht. Nelly Goldschmitt wohnte bis zur Deportation am 25. März 1942 nach Piaski in der Schusterstraße in Mainz. Leopold Goldschmitt wohnte zuletzt in der Gonsenheimer Straße, bevor auch er am 27. September 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Leopold Goldschmitt starb am 23. Oktober 1942.

Die in Ebersheim geborene Betty Barbara Feitler, geb. Simon, wurde von ihrem Wohnort Frankfurt am 18. August 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 31. März 1943 starb.

Josef Kahn aus Ebersheim wohnte viele Jahre in Berlin und emigrierte am 2. Oktober 1934 in die Niederlande. Die Deportation erfolgte ab Amsterdam am 21. April 1943 nach Theresienstadt und am 9. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz. Er wurde später für tot erklärt.

Der Ebersheimer Siegfried Kahn war ebenfalls später in Berlin wohnhaft und wurde von dort am 12. Januar 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz verbracht.

Mathilde Kahn, geb. Simon, wurde in Ebersheim geboren und wohnte später in Darmstadt. Ab Darmstadt wurde sie am 27. September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 17. April 1944 starb.

Die Ebersheimerin Klara Slager, geb. Kahn, wurde 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz gebracht und später für tot erklärt.

Die in Ebersheim geborene Bertha Landau, geb. Mayer wohnte später in Mainz. Sie wurde ab Darmstadt am 27. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie starb am 4. November 1942.

Julius Mayer wurde in Ebersheim geboren und lebte später in Bodenheim und Frankfurt a. Main. Die Inhaftierung erfolgte am 16. November 1938 in das Konzentrationslager Dachau. Ab Frankfurt am Main wurde Julius Mayer am 15. September 1942 nach Theresienstadt und am 16. Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort starb er.

Betti Wechsler, geb. Nachmann, wurde in Ebersheim geboren und war wohnhaft in Frankfurt am Main. Deportiert wurde sie am 18. August 1942 nach Theresienstadt, wo sie am 15. September 1942 starb.

 


Gegen das Vergessen

 

Publikationen

Von den in Ebersheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Gustav Berney (1864), Sophie Berney (1861), Betty (Barbara) Feitler geb. Simon (1875), Bernhard Goldschmidt (1869), David Goldschmidt (1884), Hildegard Goldschmitt (1927), Leopold Goldschmitt (1858), Nathan Goldschmitt (1879), Nelly Goldschmitt (1893), Rosaline (Rosalie) Goldschmitt (1886), Hedwig Jacobsohn geb. Goldschmitt (1906), Josef Kahn (1888), Mathilde Kahn geb. Simon (1874), Siegfried Kahn (1896), Bertha Landau geb. Mayer (1861), Julius Mayer (1882), Klara Slager geb. Kahn (1890), Betti Wechsler geb. Nachmann (1862).

 

 

Rundgang am 9. November 2008

Am 9. November 2008 erinnerte die Ortsgemeinde Ebersheim gemeinsam mit den katholischen und evangelischen Kirchen an die Reichspogromnacht 1938 und die Opfer der Verfolgung. Bei einem Rundgang vom jüdischen Friedhof zu den Orten ehemals jüdischer Häuser erfuhren mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vieles über die Schicksale der Ebersheimer Juden.

An den einzelnen Orten informierte der frühere Ortsvorsteher Klaus Nauth insbesondere auch an die Ereignisse von 70 Jahren. Die Führung wurden ergänzt durch Informationen von Georg Bertz, der vor mehr als 20 Jahren die Schicksale von den jüdischen Familien erforscht und in dem von Friedrich Eckert herausgegebenen Buch „Juden in Ebersheim“ zusammengefasst hatte.

 

Verlegung von "Stopersteinen"

Die Verlegung von "Stolpersteinen" ist ein weiterer Beitrag zur Erinnerung an das Schicksal der Ebersheimer Juden. ‎Ende August 2011 hatte der Künstler Gunter Demnig in Ebersheim diese "Stolpersteine" zur Erinnerung an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger verlegt. Mit einer Textgravur wird dabei an frühere jüdische Bürger erinnert, die bis November 1938 in den anliegenden Häusern wohnten und während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden oder auf andere Weise ums Leben kamen.

Die Verlegung der "Stolpersteine" erfolgte an der Töngesstraße/Ecke Römerstraße (vor dem Weinbrunnen) zur Erinnerung an Bernhard Goldschmidt und seine Ehefrau Sara, in der Römerstraße 25 für Sophie Berney, in der Konrad-Adenauer-Straße 8 für Nathan Goldschmitt, Ehefrau Mathilde sowie Tochter Hildegard Goldschmitt, in der Schulrat-Spang-Straße 2 für Leopold, Isaak und Nelly Goldschmitt sowie in der Neugasse 38-40 für Rosaline und Lazarus Goldschmitt.

 

 

Diese Mörderbande


Wie nachhaltig die damalige Zeit bei den überlebenden Juden wirkte, zeigt der folgende Auszug aus einem Brief. Im September 1957 schrieb Ludwig Goldschmitt aus Baltimore:

„…Baltimore … ist ein freies Land (Wir haben keinen Hitler). Meine Liebe, ich muß dich etwas fragen. Hast Du nachdem meine Schwester Rosel und Nathan mit Familie, sowie Isaak, Leopold und Nelly, Bernhard und Sara, Sophie Berney weggebracht wurde, etwas von ihnen gehört. Haben sie jemals geschrieben, Es war ein Jammer solche Leute umzubringen. Diese Mörderbande.“




Bild: Mainzer Straße (heute: Konrad Adenauer Straße) in Ebersheim, links das Gebäude mit dem hohen Giebel ist die frühere Synagoge

 



Zum Weiterlesen

 

Juden in Mainz-Ebersheim, herausgegeben von Friedrich Eckert, inhaltlich bearbeitet vom Georg Bertz, Mainz 1992


Juden in Mainz-Ebersheim, herausgegeben von Friedrich Eckert, inhaltlich bearbeitet vom Georg Bertz, Mainz 1992Kapitel 1: Vorwort
Kapitel 2: Juden in Ebersheim - Namen und Fakten
Kapitel 3: Familien Goldschmitt - (1)
Kapitel 4: Familien Goldschmitt - (2)
Kapitel 5: Familien Mayer
Kapitel 6: Familien Simon
Kapitel 7: Gewerbe und Vermögen der Ebersheimer Juden
Kapitel 8: Dokumente

 
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Die israelitische Gemeinde Ebersheim mit Harxheim und ihre Synagoge (1830-1938): Aufstieg und Untergang einer rheinhessischen Landjudengemeinde Taschenbuch, von Berthold Tapp, Books on Demand 2014

 

Mainz-Ebersheim, Das Leben in der Kirchengemeinde St. Laurentius, Band 3, herausgegeben von Friedrich Eckert, Mainz 1988

Der Autor beschreibt die Entwicklung der jüdischen Gemeinde Ebersheim mit Harxheim von ihren Anfängen bis zum Untergang in der Pogromnacht 1938. Umfangreiche Materialien zur Geschichte der Gemeinde wurden erstmals ausgewertet. So konnten sichere Erkenntnisse über die Gründung der Gemeinde, über die Einrichtung der Synagoge und die Blütezeit der Gemeinde ausgangs des 19. Jahrhunderts gewonnen werden. Bei seinen Recherchen im Landesarchiv Speyer stieß der Autor auf bisher unbekannte Polizei- und Gerichtsakten über den Prozess gegen die Täter des Pogroms von 1938, der 1947/48 vor dem Landgericht Mainz stattgefunden hat.

 

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Bericht über die Buchvorstellung

 

 


 



rechts das ehemalige Kaufhaus Rückeshäuser gegenüber der KircheDas Kaufhaus Rückeshäuser war in der Zeit vor dem Krieg einer der besten Adressen in Ebersheim. In dem Haus wohnte Anfang des vorigen Jahrhunderts die Familie von Ludwig Simon. Sein Bruder Joseph Simon hatte ein Haus in der Töngesstraße, wo später das Kaufhaus Schäfer zu finden war. Der Sohn Arthur von Joseph Simon wanderte 1903 von Ebersheim nach Amerika aus.  Dessen Sohn Herbert Simon erhielt 1978 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

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Artikel in der AZ vom 22.5.2008: Nobelpreisträger mit Wurzeln in Ebersheim - Wirtschaftswissenschaftler Herbert Simon 1978 ausgezeichnet/Vater Arthur wanderte 1903 nach Amerika aus

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 145-146

Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hrg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 69-72 (mit weiteren Literaturangaben)

Dieter Krienke: Die Synagogen der Mainzer Vororte Bretzenheim, Ebersheim, Hechtsheim und Kastel. In: Die Mainzer Synagogen. Hrsg. von Hedwig Brüchert im Auftrag des Vereins für Sozialgeschichte Mainz e.V. Mainz 2008.

Berthold Tapp: Betrifft: Synagoge der israelitischen Gemeinde Ebersheim 1840 – 1938, in Ebersheimer Schaufenster Juni 2013, lesen...

Berthold Tapp: Berichtigung zum Beitrag "Betrifft: Synagoge der israelitischen Gemeinde Ebersheim 1840 – 1938", in Ebersheimer Schaufenster August 2013, lesen...

 


Linktipp - Alemannia Judaica

Die "Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum" - Alemannia Judaica - hat vielfältige Informationen zu den Themen "Ebersheim (Stadt Mainz) mit Harxheim (Kreis Mainz-Bingen) - Jüdische Geschichte / Synagoge" zusammengetragen. Diese können Sie hier lesen...


 
 
 
  
  
  

 

 
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