Heimat neu entdecken

Das Kriegerdenkmal und Geschichte aus der Kupferrolle

 

Fotoausstellung

Ebersheim damals und heute

8. bis 11. Juli 2016

2000 Jahre RheinhessenIm Rahmen des rheinhessischen Jubiläumsjahres findet vom 8. bis 11. Juli 2016 im Historischen Saal des Weingutes Becker die Ausstellung "Ebersheim - Damals und heute" statt. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung Ebersheims zum größten weinbautreibenden Vorort der Landeshauptstadt Mainz mit Bildern und Dokumenten, zusammegestellt und präsentiert von Dr. Rudolf Büllesbach und Georg Bertz auf 100 qm im historischen Saal des Weingutes Beckers. Die Ausstellung ist eingebunden in das Weinfest im Dorf. Mehr Infos hier

Bücher zur Heimatgeschiche

Geschichte zum Nachlesen

 

demo Zwischen 1987 und 1992 hat der Ebersheimer Friedrich Eckert insgesamt fünf Bücher über Ebersheim herausgegeben. In den vergangenen Jahren sind mit Büchern zur Ebersheimer Feuerwehr, zur Geschichte des Ortes im Ersten Weltkrieg und zur israelitischen Gemeinde weitere Bücher zur Ortsgeschichte hinzugekommen. Alle Bücher zur Ebersheimer Heimatgeschichte

Ebersheimer Kalender

Bilder von damals und heute

Ebersheimer Kalender zur HeimatgeschichteEbersheimer Kalender stellen die Geschichte des südlichsten Vorortes der Stadt Mainz in den Mittelpunkt. In ihnen finden sich teilweise bisher unbekannte Postkarten und Fotos aus den vergangenen einhundert Jahren. Diesen Bildern werden Fotografien von heute gegenübergestellt. Mit den Zeitdokumenten von „damals und heute“ gelingt oftmals ein überraschender Blick, wie sich Mainz-Ebersheim und das Leben seiner Bewohner im Laufe der Zeit verändert hat. Neben den Bildern gibt es ausführliche Beschreibungen zu den Fotos. Der Kalender ist damit auch eine inhaltlich spannende Publikation zur Heimatgeschichte. Mehr Informationen zu den Kalendern zur Heimatgeschichte gibt es hier.

 

 
 
  
 
 

Das Kriegerdenkmal

Geschichten aus der Kupferrolle




Bild:  Ältestes bekanntes Bild des Ehrenmals mit Blick auf die Kirche. Zu erkennen ist links von der Kirche die Stele, die sich heute auf der anderen Seite der Kirche befindet (1500-Jahre-Denkmal). Zu erkennen ist auch, dass sich auf dem Ehrenmal kein Eisernes Kreuz befindet, das auf verschiedenen Fotos zu sehen ist. Bei der Renovierung des Ehrenmals war noch offen, ob dieses Eiserne Kreuz bereits damals vorhanden war. Das Bild belegt, dass mit der Renovierung im Jahr 2009 der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wurde.



Einleitung

Es war eine kleine Sensation für Ebersheim. Im September 2009 hatte der Steinmetz Sebastian Mohr in eine Öffnung des Ebersheimer Kriegerdenkmals eine handwerklich aufwendig verlötete Kupferrolle gefunden. Nach dem Fund und der Ankündigung, das Geheimnis der Kupferrolle öffentlich zu lüften, hatte die Allgemeine Zeitung offen spekuliert, dass die Kupferrolle Dokumente in nationalsozialistischer Propagandadiktion enthalten und es in Ebersheim eine bittere Erkenntnis geben könnte, wer damals am lautesten "Hurra!" gerufen hat. Diese Befürchtung hat sich als unbegründet erwiesen. Die Inhalte der Kupferrolle können jedoch Geschichten erzählen, die nicht nur die Einweihung des Kriegerdenkmals im November 1935, sondern auch die damalige Zeit und die damit verbundenen Lebensbedingungen lebendig machen können.


Botschaft für die Zukunft

Ausschnitt des Papierstreifens, der 2009 in der Kupferrolle gefunden wurde und auf dem sich die im Artikel erwähnten Unterschriften befindenDie Idee war ganz spontan gekommen. Die letzte Weinflasche war leer getrunken und einige waren bereits im Aufbruch. Die Stimmung war immer noch ausgelassen und alle dachten bereits an die Feierlichkeiten am nächsten Tag. Und dann lag plötzlich ein schmaler Papierstreifen auf dem Tisch. Der Text war schnell geschrieben und die Rückseite von allen am Tisch noch schneller unterschrieben. Als der Textstreifen in die zuletzt leer getrunkene Flasche gesteckt wurde, wollten einige bereits an die erstaunten Gesichter derer denken, die irgendwann die Flasche finden und die Unterzeichner des Textstreifens wieder zum Leben erwecken würden. „Die umseitig Unterzeichneten haben den Inhalt der Flasche auf das Wohlergehen der Gemeinde Ebersheim geleert und hoffen, dass auch die kommenden Geschlechter einen  ebenso guten Heimattropfen erzeugen ---- und vertragen können“, so hieß es auf dem Papierstreifen.

Diese Botschaft für die Zukunft war der Abschluss eines ereignisreichen Tages, dem ein noch wichtigerer Tag folgen sollte.

Samstag - der erste Tag

Bleiben wir aber zunächst beim ersten Tag. An diesem Samstag, dem 2. November 1935, hatten sich im Rathaus alle diejenigen versammelt, die im Ort Verantwortung trugen und mit den Feierlichkeiten am nächsten Tag in Verbindung standen. An der Spitze stand Bürgermeister Balthasar Becker, der seit 1929 das Amt ausübte. Neben dem Bürgermeister waren anwesend die beiden Beigeordneten, Ortsbauernführer Herdt und Ortsgruppenleiter Stuppert, weiterhin die Gemeinderäte Glaser und Wohn, der Polizeidiener Wambach sowie der Gemeindesekretär Eckert (im Volksmund: "Die kloo Gewalt"). Anwesend waren auch der seit 1926 mit der Leitung der Seelsorge betraute Pfarrer Singer, der Kameradschaftsführer Becker, der Bildhauer Hoffmann und Vertreter der Bauleitung. Es war ein großer Personenkreis und es dauerte einige Zeit, bis das Programm des nächsten Tages nochmals durchgesprochen und die letzten Details abgestimmt waren.

Am späten Nachmittag konnte Balthasar Becker das Ergebnis zusammenfassen: Sonntags sollte das neue Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges eingeweiht werden. Als Programmpunkte waren ein feierlicher Festakt, ein Umzug durch den Ort und eine Parade vor dem Römer vorgesehen. Der Abschluss der Einweihungsfeier sollte mit verschiedenen weiteren Programmpunkten im Saalbau Vollmer erfolgen.

Bevor diese Feierlichkeiten allerdings beginnen konnten, musste noch eine aufwändig gestaltetet Urkunde unterzeichnet werden. Auf dickem Pergament war mit eindrucksvollen Lettern in gotischer Frakturschrift die Entstehungsgeschichte des Kriegerehrenmals ausführlich beschrieben worden. Nicht vergessen wurde dabei auch der Hinweis, dass die Denkmalmauer "aus Steinen von der Gefängnismauer in Nieder-Olm ausgeführt wurde". Im unteren Drittel der Urkunde waren mit dem Lineal feine Linien gezeichnet worden, über die jetzt neun Anwesende ihren Namen schrieben. Drei Stempel, darunter einer mit den Worten "Volksstaat Hessen ~ Bürgermeisterei Ebersheim", sowie das Datum "2. November 1935" vervollständigten schließlich die Urkunde.

Fund - 1934er "Ebersheimer Krummer Ring"Die Vorbereitungen für den nächsten Tag waren jetzt abgeschlossen. Schnell standen einige Flaschen besten Ebersheimer Weines auf dem Tisch und nach getaner Arbeit konnten jetzt alle mit gutem Gewissen anstoßen. Nach der letzten Flasche Wein, einem 1934er "Ebersheimer Krummer Ring", entstand dann die Idee für die Botschaft an die "kommenden Geschlechter". Nachdem auch dieses Papier unterschrieben war, löste sich die Versammlung gut gelaunt auf.

Bürgermeister Balthasar Becker ging zufrieden nach Hause. Er hatte es nicht weit bis zu seinem Haus. Er ging durch die "Judegass" und bog kurz vor dem Beginn der Straße der SA in die "Unnergass" und von dort in die Horst-Wessel-Straße, wo er wohnte. Mit Freude sah Balthasar Becker einige Häuser, die - wie dies häufig vor großen Festen geschah - farbig angestrichen worden waren und sich jetzt vom üblichen Grau der anderen Häuser absetzten. Nach Meinung des Bürgermeisters hatte bisher alles geklappt und auch das Wetter versprach keine unliebsamen Überraschungen. Zum Glück hatte es nicht geregnet, denn sonst wären die Straßen voller Schlamm gewesen und viele Keller wären wieder voll Wasser gelaufen. Aber was sollte man machen. Geld, um die Straßen zu pflastern, war nicht vorhanden und das kleine asphaltierte Stück am Römer hatte schon genug gekostet.

Es war ein typischer Novembertag, kalt und an diesem Samstag auch windstill. An solchen Tagen lag immer eine Wolke über dem ca. 1.100 Einwohner zählenden Dorf und diese verbreitete den üblichen, vertrauten Geruch von Rauch und Landwirtschaft. In fast allen Häuser war bereits am frühen Morgen das Feuer im meist einzigen Ofen und im Küchenherd mit getrockneten Reben vom Rebenschnitt angezündet und mit Holz, Kohle oder Briketts am Brennen gehalten worden. Das Wasser zum Kochen oder zum Waschen kam bei fast allen Familien aus dem eigenen Brunnen. Wasserleitungen gab es zwar seit dreißig Jahren, doch waren nur wenige Häuser daran angeschlossen. Strom gab es seit 1912 und die von Nikolaus Nauth III. – "dem Elektrisch" -  verlegten Leitungen zeigten, wer an das Stromnetz angeschlossen war. In den Wohnräumen dieser Häusern leuchteten die 25 oder 40 Wattbirnen sehr schwach und der Bürgermeister hoffte, dass überall dort, wo es keinen Strom gab, die Petroleum-Laternen ausgepustet worden waren. Einen Brand konnte er heute nicht mehr gebrauchen – einen Tag vor dem großen Fest!


Sonntag - der zweite Tag

Sonntags morgens am 3. November war das Dorf schon sehr früh auf den Beinen. Die Bäcker Fuchs in der Adolf-Hitler-Straße, Stuppert in der Hindenburgstraße und Wohn am Römer hatte bereits für viele Ebersheimer Familien Brot, Dicke Kuchen und Streusel gebacken. Das Mehl hatten die Familien bereits Tage vorher vorbeigebracht, so dass nur der Arbeits- und Backlohn bezahlt werden musste. Bei einigen Familien sollte es mittags zur Feier des Tages auch Schweinefleisch aus eigener Schlachtung oder Rinds- und Ochsenfleisch geben, das insbesondere bei einem der beiden jüdischen Viehhändler im Ort gekauft worden war. Das Pferdefleisch, das es bei einigen Familien geben sollte, stammte von Zigeunern, die gerade wieder mit ihren Wohnwagen an der Muhl-Chaussee und Mainzer Hohl kampiert hatten.

Die Gedanken waren an diesem Morgen aber weniger auf das Mittagessen, sondern auf die große Feier und den Umzug durch das Dorf gerichtet. An einem Tag wie diesem konnte die selbst genähte Werktagsbekleidung im Schrank bleiben. Angezogen werden durfte die Sonntagskleidung, die selten in der Stadt gekauft und meistens von einem der zehn Schneider oder einer der beiden Näherinnen im Ort angefertigt worden war. Passend zur Sonntagskleidung und zum Anlass waren bei vielen auch die Haare in Ordnung gebracht worden. Zwei bis dreimal im Jahr schnitt der Barbier den Kindern und den Männern zu Hause die Haare. Frauen brauchten keinen Frisör. Die Mädchen trugen die Haare als Zopf und die Frauen steckten sie auf dem Kopf "als Nester" zusammen.

Um 9.00 Uhr begann der Festgottesdienst, bei dem die meist unter vierzig Jahre alten Teilnehmer des vor siebzehn Jahren zu Ende gegangenen Krieges einen Ehrenplatz hatten. Nach dem Mittagessen um 13.30 Uhr formierten sich die Teilnehmer des Festzugs und erreichten gegen 14.00 Uhr das neue Ehrenmal, wo dann die eigentlichen "Einweihungsfeierlichkeiten" begannen. Während des dreizehn Punkte umfassenden Programms mit Ansprachen, Chorälen, Chören und Glockengeläut dachten die Anwesenden an ganz unterschiedliche Dinge.

Manchen wurde erst jetzt bewusst, dass sich der Eingangsbereich der Kirche grundlegend verändert hatte. Der Eingang befand sich nicht mehr direkt vor dem Kirchenportal, sondern war auf die beiden Seiten verlegt worden. Das 1870er Kriegerdenkmal war zurückversetzt und das „alte Kruzifix“ war in die neue Anlage mit einbezogen worden.

In seiner Rede sprach der Bürgermeister von der Kartusche, die in das Denkmal eingebaut werden sollte. Diese Kupferrolle sollte neben der prächtigen Urkunde (und natürlich der leeren Flasche Wein vom Vorabend, was aber nicht alle wissen mussten) auch verschiedene Münzen enthalten, und zwar im Gesamtwert von 8,65 Reichsmark. Das war nicht wenig Geld. Für den Betrag musste ein Mann ca. 11 Stunden und eine Frau ca. 19 Stunden arbeiten. Zu kaufen gab es für das Geld 72 Eier oder 96 Kilo Kartoffeln, knapp 3 Kilo Butter, 11 Kilo Zucker oder etwas mehr als 4 Kilo Schweinfleisch. Nicht an das Geld und seinen Gegenwert, sondern an die für die Kartusche vorgesehenen Zeitungen dachte Elisabeth Schäfer. Sie holte jeden Tag zu Fuß in Nieder-Olm am Zug das katholische „Mainzer Journal“ ab und brachte es dann zu den Kunden in Ebersheim. Es ärgerte Frau Schäfer

Fund - Mainzer Anzeiger vom 11. September 1935ein wenig, dass nicht „ihre Zeitung“ sondern der gauamtliche „Mainzer Anzeiger“ und die „Hessische Landeszeitung“ in die Kartusche gesteckt werden sollte. Keinen Ärger empfand dagegen Bürgermeister Becker, als er nach seiner Begrüßung und vor der Übergabe und der Enthüllung des Ehrenmals durch die Bauleitung an die Tafeln der Gefallenen dachte. Für das Jahr 1935 war es nicht selbstverständlich, dass sechs Wochen nach Verabschiedung der Nürnberger Gesetze zwei Tafeln mit den Namen von jüdischen Kriegsteilnehmern an einem neuen Ehrenmal angebracht werden konnten.


Ältestes bekanntes Bild aus Richtung der Kirche des Ehrenmals mit Blick auf die Namenstafeln bei einem Heldengedenktag (1940)



Gegen 16.00 Uhr war die Feier an der Kirche zu Ende. Für die meisten Einwohner von Ebersheim begann jetzt der schönste Teil des Festes, nämlich der "Umzug durch die Ortsstraßen" und die "Paradeabnahme auf dem Römer". Der Zug ging durch fast alle zehn Straßen des Ortes und endete im Saalbau Vollmer in der Horst-Wessel-Straße.

Die Winzerhalle - vormalls Saalbau Vollmer - im BauHier befand sich gegenüber der Wirtschaft von Peter Vollmer I. die vor neun Jahren erbaute Festhalle des Ortes, die später als Winzerhalle weit über die Grenzen von Ebersheim bekannt werden sollte.

Der Einmarsch in Festhalle verlief nach Plan. Zuerst kamen die Formationen und dann folgte der Fahneneinmarsch unter den Klängen des Badenweiler Marsches. Mit der Weihe und Übergabe der Kyffhäuser-Bundesfahne an die Kameradschaft Ebersheim endete schließlich unter großem Beifall der offizielle Teil der Einweihungsfeier.

In den nächsten Stunden wurden bei einem "kameradschaftliche Beisammensein" gelacht, getanzt, gesungen und natürlich gut gegessen und getrunken. Mit dabei waren jetzt auch Ebersheimer, die fortgezogen und am Nachmittag mit der "Arche Noah", dem ersten vollgummibereiften Bus von Nikolaus Nauth III., in die alte Heimat gereist waren. Tief in der Nacht gingen die ereignisreichen Tage auch für Balthasar Becker zu Ende und er konnte sich in sein mit einem Strohsack ausgestattetes Bett zum Schlaf legen. An die Zukunft wollte er dabei nach einem solchen Tag nicht denken. Er konnte auch noch nicht wissen, dass er sein Amt im nächsten Jahr - als dann sogenannter "Alt Chef" - an den derzeitigen Beigeordneten und Ortsbauernführer Heinrich Herdt abgeben und von den Amerikanern 1945 wieder in das Amt eingesetzt werden würde. Wissen konnte der Bürgermeister auch nicht, wann die in das Denkmal eingemauerte Kupferrolle gefunden werden würde. Bis dahin würde das Jahrtausend zu Ende gehen und das feierlich eingeweihte Ehrenmal würde um ein weiteres, neues Denkmal erweitert worden sein. Hierauf würden die Namen von Kindern und Jugendlichen stehen, die gerade noch mitgefeiert hatten und wenige Jahre später gefallen oder vermisst sein würden. "Gedenket der Toten des Krieges und wofür sie starben" - an die Mehrdeutigkeit der Inschrift haben 1935 sicher nur wenige gedacht.






In Vergessenheit geraten ist, dass am 3. November 1935 das zweite Denkmal für die Gefallenen des Weltkrieges von 1914 bis 1918 eingeweiht wurde.

Ein Denkmal wurde bereits am 28. November 1926 eingeweiht. Auszug aus der Ebersheimer Pfarrchronik:

"Sämtliche Vereine des Ortes waren unter Vorantritt der Kirchenmusik nachmittags 2 Uhr in die Kirche eingezogen. Die Feier wurde eröffnet mit einem Choral, gespielt von der Kirchemusik..."

Diese Denkmal bestand aus zwei Steinplatten, in die Namen der gefallenen oder vermißten Soldaten eingraviert waren. Diese Steinplatten befinden sich heute im Besitz der Kirche.








Bild: 14. September 2009 - Die Kupferrolle wird vor der Kirche geöffnet



Am 14. September 2009 öffneten Pfarrer Dr. Helmut Schwalbach,  der Vorsitzende des Fördervereins zur Erhaltung und Wiederherstellung von Kulturgütern in Ebersheim, Ex-Ortsvorsteher Klaus Nauth, sowie Karl-Heinz Schuster gegen 20.00 Uhr die Kupferrolle, die wenige Tage vorher bei der Renovierung des Kriegerdenkmals gefunden wurde. Das öffentliche Interesse war groß. Der SWR, die beiden regionalen Zeitungen und mehr als 200 Ebersheimerinnen und Ebersheimer hatten sich vor der Kirche eingefunden.

Zum Vorschein kamen in der Kupferrolle fünf Geldmünzen und Zeitungen (z.B. Hessische Landes-Zeitung und verschiedene Wochenblätter) aus dem Jahr 1935. Eingewickelt in die Zeitungen waren eine leere Weinflasche der Lage "Krummer Ring", Jahrgang 1935. Weiterhin war in der Kupferrolle das Festprogramm der Einweihung, der Ablaufplan für den Festzug sowie die Namen der damals beteiligten Vereine aufbewahrt.

Am meisten Interesse fand eine große, sorgfältig gedruckte Urkunde "über die Errichtung des Kriegerehrenmals für die Weltkriegsgefallenen der Gemeinde Ebersheim" vom 2. November 1935. Unterzeichnet war die Urkunde von der Bauleitung, dem Bauinspektor und dem Bildhauer Hoffmann. Seitens der Gemeinde Ebersheim befanden sich die Unterschriften von Bürgermeister Becker, den Beigeordneten Herdt und von zwei Gemeinderäten. Unterzeichnet haben weiterhin Pfarrer Singer und - im Druck nicht vorgesehen und handschriftlich ergänzt - von Kameradschaftsgruppenführer Becker.

In der Folgezeit wurden die Funde zweimal öffentlich ausgestellt und viele Ebersheimerinnen und Ebersheimer nutzten die Gelegenheit, sich die Gegenstände anzuschauen.

Oktober 2009 – Die Kupferrolle wird wieder eingemauertIm Oktober 2009  wurde die Kartusche wieder eingemauert. Beigefügt wurden der Kartusche zunächst einmal alle Gegenstände, die darin am 14. September gefunden wurden. Ergänzt und vervollständigt wurde der Inhalt der Kartusche durch Gegenstände und Schriftstücke aus dem Jahr 2009. Darunter befindet sich jetzt auch eine neue Urkunde. Anders als die Urkunde aus dem Jahr 1935, die wie das Kriegerdenkmal von der Gemeinde getragen war, enthält die neue Urkunde allerdings alleine die Unterschriften der Pfarrgemeinde (als Eigentümerin) und des Vorstandes vom Verein zur Erhaltung und Wiederherstellung von Kulturgütern (als Kostenträger).

Ehrenmal mit Eisernem Kreuz. Wann dieses Symbol aufgesetzt wurde, ist nicht bekannt.Ende Oktober war die Renovierung des Denkmals abgeschlossen. Lange Zeit war offen gewesen, ob auf dem Denkmal ein Eisernes Kreuz angebracht werden muss, das auf vielen Bildern zu sehen war. Heute ist nachgewiesen, dass dieses Eiserne Kreuz bei der Einweihung des Denkmals nicht vorhanden war. Deshalb ist mit der Renovierung auch der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt worden.






Das alte KruzifxIn dieser Kartusche, die am 1. September gefunden wurde, fand sich eine Urkunde aus dem Jahr 1935, in der es heißt: "Das alte Kruzifx ... wurde[n] umgestellt". Es "wurde, nachdem das Steinkreuz erneuert und der Korpus ergänzt und wiederhergestellt war[en], in die neue Anlage miteinbezogen". Diese Hinweise warfen folgende Fragen auf: Was ist das für ein "alten Kruzifix", das in das Kriegerdenkmal einbezogen wurde? Wo befindet es sich heute? Was hat dieses Kreuz mit dem 1500-Jahre-Denkmal zu tun? Die Antworten finden Sie hier....






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