Heimat neu entdecken

Zeittafel von 1420 bis 1798

 

Fotoausstellung

Ebersheim damals und heute

8. bis 11. Juli 2016

2000 Jahre RheinhessenIm Rahmen des rheinhessischen Jubiläumsjahres findet vom 8. bis 11. Juli 2016 im Historischen Saal des Weingutes Becker die Ausstellung "Ebersheim - Damals und heute" statt. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung Ebersheims zum größten weinbautreibenden Vorort der Landeshauptstadt Mainz mit Bildern und Dokumenten, zusammegestellt und präsentiert von Dr. Rudolf Büllesbach und Georg Bertz auf 100 qm im historischen Saal des Weingutes Beckers. Die Ausstellung ist eingebunden in das Weinfest im Dorf. Mehr Infos hier

Bücher zur Heimatgeschiche

Geschichte zum Nachlesen

 

demo Zwischen 1987 und 1992 hat der Ebersheimer Friedrich Eckert insgesamt fünf Bücher über Ebersheim herausgegeben. In den vergangenen Jahren sind mit Büchern zur Ebersheimer Feuerwehr, zur Geschichte des Ortes im Ersten Weltkrieg und zur israelitischen Gemeinde weitere Bücher zur Ortsgeschichte hinzugekommen. Alle Bücher zur Ebersheimer Heimatgeschichte

Ebersheimer Kalender

Bilder von damals und heute

Ebersheimer Kalender zur HeimatgeschichteEbersheimer Kalender stellen die Geschichte des südlichsten Vorortes der Stadt Mainz in den Mittelpunkt. In ihnen finden sich teilweise bisher unbekannte Postkarten und Fotos aus den vergangenen einhundert Jahren. Diesen Bildern werden Fotografien von heute gegenübergestellt. Mit den Zeitdokumenten von „damals und heute“ gelingt oftmals ein überraschender Blick, wie sich Mainz-Ebersheim und das Leben seiner Bewohner im Laufe der Zeit verändert hat. Neben den Bildern gibt es ausführliche Beschreibungen zu den Fotos. Der Kalender ist damit auch eine inhaltlich spannende Publikation zur Heimatgeschichte. Mehr Informationen zu den Kalendern zur Heimatgeschichte gibt es hier.

 

 
 
  
 
 

Geschichte von Ebersheim bis 1798


Der „Maskoppschen Gemarkungsplan“ von 1576/1577

Bild: Der „Maskoppschen Gemarkungsplan“ von 1576/1577, Quelle: Stadtarchiv Würzburg


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Nach wechselnden Besitzverhältnissen in der Vergangenheit gehört Ebersheim mehr als 350 Jahre zum Mainzer Kurstaat. Der Töngeshof gehört immer noch nicht zur Gemeinde und führt weiterhin ein Eigenleben.

Die Ebersheimer dürfen jetzt in Kriegszeiten mit ihrer beweglichen Habe hinter die festen Mauern der Stadt Mainz Schutz suchen. Dafür können sie aber zu unbezahlten Hand- und Spanndiensten für den Unterhalt der Stadtbefestigung herangezogen werden.

Der Ort gehört zum Amt Olm, dessen Zentrum Nieder-Olm mit der Laurenziburg ist.


Für Mainz endet die Zeit der „freien Stadt“ und die Stadt verliert alle ihr bisher verliehenen Rechte.


Am Rheinufer wird die Martinsburg  als kurfürstliche Residenz erbaut. Bis dahin hatten die Kurfürsten in ihrer Eltviller Burg im Rheingau residiert, nachdem sie den unsicheren Bischofshof am Dom aufgegeben hatten. Mainz ist jetzt kurfürstlich-erzbischöfliche Residenzstadt.


Der mittelalterliche Pfarrhof wird in der Zeit der Reformation in Brand gesetzt und lag vermutlich bis zum Jahr 1612 darnieder.


Der Töngeshof kommt an den Mainzer Erzbischof, der es als Domäne mit Sitz einer eigenen Kellerei betrieb.

Auf dem Anwesen wohnt jetzt der Amtskellermeister des kurfürstlichen Amtes.


Der Kurfürst beauftragt den Geographen Gottfried Maskopp, die ersten Mainzer Karten der Stadt anzufertigen. Diese Karten weisen noch gewisse Ungenauigkeiten hinsichtlich der Wiedergabe der Größenverhältnisse auf.


Ausschnitt aus dem PlanDie spätmittelalterliche Liegenschaft Ebersheim („Ebersumer gemarck“)  ist im „Atlas der linksrheinischen Mainzer Ämter Olm, Algesheim und Bingen“ von Gottfried Maskopp aus dem Jahr 1577 eingezeichnet. Dieser „Maskoppschen Gemarkungsplan“ zeigt neben dem Dorf mit dem Pyramidendach der Pfarrkirche und einem gotischen Glockenturm das Torgebäude des heutigen Töngeshofes.

Weiterhin erkennt man auf dem Plan die drei Ausgänge von Ebersheim, die Pforten genannt werden: „Mainzer Pforte“ im Norden (heute: Konrad-Adenauer-Str. 8), die „Kirchenpforte“ im Westen (heute Nieder-Olmer-Str.) und die „Hammelspforte“ im Süden (heute Weinbergstr.). Nur an den drei Pforten beginnen die Feldwege in die Gemarkung und zu den sieben Nachbarorten. Durch sie wird der gesamte Verkehr geleitet.

Der „Maskoppschen Gemarkungsplan“ ist koloriert, mit schönen Arabesken umrahmt und bildet das Wappen von Ebersheim ab. Der Plan zeigt die alten Gemarkungen. Interessant ist, dass sich die Feldeinteilungen bis zur Flurbereinigung erhielten.

In Ebersheim gibt es 60 Herdstellen und damit ca. 270 Einwohner. Unter den Einwohnern sind 52 Leibeigene des Kurfürsten, 4 des Herzogs zu Zweibrücken und 6 des Deutschen Kaisers.


Der Pfarrhof wird nach seiner Zerstörung wieder erneuert. Von diesem Pfarrgut ist noch eine Pforte mit dem spätgotischen Vorhangbogen und dem Datum im Sturz "1612" vorhanden.


Beginn des Ausbaus der mittelalterlichen und zu diesem Zeitpunkt veralteten Stadtbefestigung von Mainz.

Der Jakobsberg mit dem Benediktinerkloster wird als bedeutender strategischer Ort identifiziert, da dies der einzige Punkt ist, von dem aus die Stadt von oben beschossen werden kann.


Der Bau des neuen kurfürstlichen Schlosses in Mainz beginnt und wird mehr als sechzig Jahre später abgeschlossen. 

 Weinqualität in Ebersheim: „saurer Wein“.


Im Dreißigjährigen Krieg wird Mainz von den Schweden belagert, stark zerstört und geplündert.

Mainz wird im Dezember 1931 von schwedischen Truppen besetzt. Vorher war die Stadt heftigen "vorsorglichen" Plünderungen durch die Verteidiger (hauptsächlich aus Spanien bestehende Söldner in kaiserlichem Sold) ausgesetzt.

Nach dieser Plünderung sind die Bürger zur Zahlung einer "Bandschatzung" verpflichtet. Nur so können sie die den Schweden zustehende Plünderung vermeiden. Die schwedische Besatzung besteht aus 10.000 bis 16.000 Soldaten - für eine Stadt mit allerhöchstens 25.000 Einwohnern ist dieseine große Belastung und führt dazu, dass "manche Burger 20 und mehr Soldaten im Haus hat".

Die Festung Mainz wird von den Schweden verstärkt und die Festung Gustavsburg mit sechs sternförmig angelegten Bastionen plus Vorwerke aufgebaut (1633).

Ende März 1635 belagern kaiserliche Truppen den Rheingau und das Fort Gustavsburg ergibt sich schon bald. In Mainz kapitulieren die Schweden im Januar 1636. Von den ursprünglich 3000 Schweden in der Mainzer Garnison waren 2000 tot. Mainz hat in den vier Jahren seiner Besetzung ca. 44% seiner Einwohner, die Hälfte des Kapitals und ein Viertel seiner Häuser eingebüßt.


Weinqualität in Ebersheim: „sehr gut und theuer“.


Weinqualität in Ebersheim: „saure Holzapfelbrühe“.


Mainz wird von französichen Truppen unter General Turenne kampflos eingenommen. Der Kurfürst flieht erneut.


Der Dreißigjährige Krieg ist zu Ende. Die Franzosen verlassen Mainz erst zwei Jahre später.

Kurfürst Johann Philipp von Schönborn macht Mainz innerhalb von 25 Jahren zu einem bedeutenden politischen Zentrum und die Stadt blüht auf.


Am Ostende des Töngeshofes wird ein Herrenhaus mit zweigeteilten Fenstern und dem Wappen des Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn gebaut.


Neubau der Zitadelle auf dem strategisch wichtigen Jakobsberg.


In dem Pestjahr sterben in Ebersheim wahrscheinlich mehr als 100 Einwohner. Die Zahl der Haushaltungen sinkt von 80 auf 51. In das Kirchenbuch werden in diesem Jahr keine Eintragungen vorgenommen.


In der Kirche St. Quintin in Mainz (heute: gegenüber der Alten Universität in der Innenstadt) wird ein zwölf Meter hoher Altar aufgebaut, der mehr als 200 Jahre später nach Ebersheim verkauft wird.


Der Schultheiß von Ebersheim wird angewiesen, ein Schulhaus zu errichten. Der Entwurf des Erlasses wird im Staatsarchiv Würzburg aufbewahrt.

Die alte katholische Schule wird östlich der Kirche als eingeschossiges Gebäude an der Römerstraße erbaut.


Belagerung und Einnahme von Mainz im pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen. Trotz des vielen Geldes, das die jahrelangen Ausbauten der Festung verschlungen haben, verhindern die vierzehn Bastionen rund um die Stadt und die vier Bastionen der Zitadelle nicht, dass die Stadt ohne Kampf übergeben wird.

Bei der Rückeroberung durch deutsche Truppen brennt die Stadt zum großen Teil nieder.

Die Kirchenbücher verzeichnen viele Tote in Ebersheim, die nach Beendigung der Belagerung und nach der Öffnung der Stadttore meistens an Seuchen sterben.

Weinqualität in Ebersheim: „gut, durch den Krieg verzehrt“.


Während dieser langen Zeit blieb Mainz von weiteren Besetzungen verschont. Dies ist erstaunlich angesichte der zahlreichen Kriege des 18. Jahrhunderts (Spanischer Erfolgekrieg 1701-1714, Polnischer Erfolgekrieg 1733-1735, Österreichischer Erbfolgekrieg 1740-1748 und Siebenjähriger Krieg 1756-1763).

Obwohl Mainz verschont bleibt, wirkten sich diese Kriege auf die Lage der Zivilbevölkerung im Gebiet des heutigen Rheinhessens und damit auch auf Ebersheim aus. Die vielen Truppendurchzüge durch Mainzer Gebiet verschärften immer wieder die Versorgungssituation des Mainzer Umlandes.


Das „barocke Mainz“ mit Eckmadonnen, Eckerker und Brunnen entsteht. Am Rheinufer entsteht das Lustschloss „Favorite“ und die Festung Mainz wird fortschrittlich ausgebaut.


Das Mittelschiff der heutigen Pfarrkirche in Ebersheim wird für seine 300 Einwohner erbaut. Die Ausgaben belaufen sich auf 5348 Gulden, wobei das St. Albanstift Chor und Sakristei errichten, während die Gemeinde das Schiff der Kirche baut und bezahlt.

Wohl aus Geldmangel verfügt die Kirche noch über keinen Turm.


Die Gemeinde Ebersheim führt einen Rechtsstreit mit dem Stift St. Alban. In diesem Rechtsstreit bestreitet der Schultheiß von Ebersheim das Recht des Priors vom Kloster St. Alban, „einen Schulmeister gleichfalls nach Belieben und Willkür zu präsentieren“. Der Rechtsstreit endet mit einem Vergleich.


Die Ebersheimer Kirche wird ausgemalt. Weiterhin werden zwei Seitenaltäre aufgestellt: Auf der linken Seite steht ein „Rosenkranz- oder Marienaltar“ und auf der rechten Seite ein „Nikolausaltar“. Die Kanzel und die Apostelbilder an der Emporenbrüstung werden errichtet.


Weinqualität in Ebersheim: „besonders gut aber nicht viel“.


Das Realteilungsrecht, das alle Erben gleichstellt, ermöglicht es einer großen Anzahl von Personen, Familien zu gründen. Hohe Geburtenraten führen - verbunden mit einer höheren Lebenserwartung - zu einem raschen Bevölkerungswachstum.


In Ebersheim wächst die Bevölkerung um das Dreifache.


Weinqualität in Ebersheim: „schlecht, kaum trinkbar“.


An einer Pockenepidemie sterben in Ebersheim viele Kinder


Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges beginnt eine relativ lange Friedenszeit.


Die barocke Figurengruppe der „Marienkrönung“ wird geschaffen. Nach dem Abriß einer Kapelle auf der Flur „Am Heiligenhäuschen“ wird die Figurengruppe um 1870 in die Nische einer Hauswand in der Konrad-Adenauer-Straße integriert. Seit wenigen Jahren findet die restaurierte „Marienkrönung“ ihren Platz in einer kleinen Kapelle in der Laurentiusstraße.


Ein Kirchturm wird an die Kirche angebaut. Seine Höhe beträgt bis zur Spitze 42,40 m. Auf die Spitze sind ein Kreuz aufgesetzt und auf dem Kreuz ein Wetterhahn.


Französche Revolution


In Mainz beschließt ein Fürstenkongress, gegen das revolutionäre Frankreich zu Felde zu ziehen.

Mainz wird von französichen Truppen besetzt. Diese werden vom kapitulierenden Mainz teilweise begeistert empfangen .

In Mainz wird die erste Republik auf deutschem Boden ausgerufen.


Für die Ebersheimer Kirche wird für 95 Gulden der barocke Hochaltar aus der Kirche St. Quintin in Mainz erworben.

Der zerstörte Dom in einem Kupferstich von 1830Deutsche Truppen beschießen wochenlang mit Brandmunition das von französischen Truppen besetzte Mainz und zerstören das „alte mittelalterliche Mainz“ für immer. Der Dom brennt und wird jahrelang nicht mehr aufgebaut. Die Franzosen kapitulieren.


Französische Belagerung der Festung Mainz. In Ebersheim sind französische Soldaten einquartiert.

Das „Joachims-Kreuz“ neben dem heutigen Weinbergshaus wird zerstört und erst im Jahre 1936 neu errichtet.

Viele Ebersheimer sterben ausweislich der Kichenbücher im Februar 1794 durch die mit der Belagerung verbundene Ausbreitung von Seuchen.

Am 30. Dezember 1797 wird Mainz französisch.

Die linksrheinischen Gebiete und damit auch Ebersheim werden von den Preußen und Österreichern an Frankreich abgetreten. Mainz wird Hauptstadt des neuen Départements du Mont Tonnerre (Donnersberg) mit dem französischen Präfekten Jeanbon St. André an der Spitze.

Das ist das Ende des alten Mainzer Kurfürstentums nach über 1000 Jahren.


 
 
  
  
  

 

 
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